Serie · 80 Werke

EVERMORE

Sakrale Räume, die nicht verschwinden

Es gibt Orte, die gebaut wurden, um größer zu sein als das Hier und Jetzt. Kirchen, Kapellen, Klöster und Synagogen, in denen Menschen über Jahrhunderte gehofft, gebetet, gesungen und getrauert haben. Sie waren nie für eine Generation gedacht, sondern für alle, die kommen würden. EVERMORE sucht sie auf, nachdem die Gemeinden gegangen sind.

Ihre Gewölbe hallen noch, auch ohne Stimmen. Man betritt sie und senkt unwillkürlich die Stimme, obwohl niemand da ist, den man stören könnte. Die Bögen, die Ornamente, das Licht, das schräg durch hohe Fenster auf verwitterten Stein fällt: All das trägt etwas, das sich nicht mit den Bänken und Leuchtern verabschiedet hat. Diese Räume wurden für die Ewigkeit gebaut, und irgendwo in ihnen ist dieser Anspruch noch spürbar.

Unabhängig von Konfession und Zeit strahlen sie eine Erhabenheit aus, die auch den berührt, der nichts glaubt. Vielleicht weil sie das Einzige sind, was Menschen je gebaut haben, ohne dass es einem praktischen Zweck diente. Sie sind Raum gewordene Hoffnung, und Hoffnung altert nicht mit dem Putz.

Der Verfall verändert diese Orte anders als andere. Er nimmt ihnen die Liturgie und gibt ihnen die Stille zurück, die am Anfang jeder Andacht steht. Ein verlassenes Gotteshaus ist leerer als jedes andere Gebäude, und in dieser Leere ist mehr Platz für das, worum es einmal ging.

Verlassen sind sie, verschwunden nicht. EVERMORE handelt von dieser vergänglichen Unvergänglichkeit: von Räumen, deren Stille ihre eigentliche Bestimmung freilegt, und von einer Würde, die kein Verfall erreicht.